Wie funktioniert Bauen. Kurz erklärt in 7 Schritten

Bauen in der Schweiz ist ein komplexer Prozess, der durch eine Vielzahl von Vorschriften und Genehmigungsverfahren geregelt wird. Dieser Blog-Beitrag gibt einen Überblick über die wichtigsten Schritte und Aspekte, die beim Bau eines Hauses oder einer anderen Immobilie in der Schweiz zu beachten sind.

1. Planung und Vorbereitung
Bedarfsermittlung und Finanzierung:
Am Anfang steht die genaue Bedarfsermittlung. Was soll gebaut werden und welche Anforderungen muss das Gebäude erfüllen? Dazu gehört auch die Klärung der Finanzierung. Banken und andere Finanzinstitute bieten verschiedene Finanzierungsmodelle an, darunter Hypotheken mit unterschiedlichen Zinsmodellen.

Grundstückssuche und Kauf: 
Ein passendes Grundstück zu finden, ist ein entscheidender Schritt. Dabei müssen sowohl der Standort als auch die Bauvorschriften der jeweiligen Gemeinde berücksichtigt werden. Ist das passende Grundstück gefunden, folgt der Kauf, der in der Schweiz über einen Notar abgewickelt wird.

2. Architekten und Fachplaner
Architektenwahl:
Ein Architekt wird beauftragt, der das Bauprojekt plant und alle notwendigen Baupläne erstellt. Der Architekt spielt eine zentrale Rolle im Bauprozess, da er nicht nur das Design entwirft, sondern auch die Einhaltung aller gesetzlichen Vorgaben sicherstellt.

Fachplaner und Ingenieure: 
Je nach Projektumfang werden zusätzliche Fachplaner und Ingenieure benötigt, z.B. für die Statik, Haustechnik oder Energieeffizienz. Diese Experten arbeiten eng mit dem Architekten zusammen.

3. Baugesuch und Bewilligungen
Einreichung des Baugesuchs:
Bevor der Bau beginnen kann, muss ein Baugesuch bei der zuständigen Gemeinde eingereicht werden. Dieses Gesuch umfasst alle Baupläne, technische Nachweise und eventuell nötige Gutachten.

Baugesuchprüfung und Bewilligung:
Die Gemeinde prüft das Baugesuch auf Übereinstimmung mit den örtlichen Bauvorschriften, dem Zonenplan und dem Baurecht. Dieser Prozess kann einige Wochen bis Monate dauern. In manchen Fällen müssen auch Nachbarn und andere Betroffene informiert und angehört werden.

Erhalt der Baugenehmigung:
Nach positiver Prüfung erteilt die Gemeinde die Baugenehmigung. Diese kann mit Auflagen verbunden sein, die während der Bauphase zu beachten sind. Vor Baufreigabe sind diese Auflagen zu bereinigen.

4. Bauphase
Baubeginn und Bauleitung: 
Mit der Baugenehmigung kann der Bau beginnen. Der Architekt oder ein beauftragter Bauleiter übernimmt die Koordination der Bauarbeiten und sorgt dafür, dass das Projekt termingerecht und innerhalb des Budgets abgeschlossen wird.

Rohbau und Ausbau: 
Der Bau erfolgt in mehreren Phasen: vom Aushub und Fundament über den Rohbau bis zum Innenausbau. In dieser Phase arbeiten verschiedene Handwerker und Bauunternehmen zusammen.

Qualitätssicherung: 
Während der gesamten Bauphase wird die Qualität der Arbeiten durch regelmäßige Kontrollen und Abnahmen sichergestellt. Der Bauleiter oder Architekt dokumentiert den Fortschritt und sorgt dafür, dass eventuelle Mängel sofort behoben werden.

5. Baukostenplan (BKP)
Ein zentraler Bestandteil der Bauplanung in der Schweiz ist der Baukostenplan (BKP). Der BKP ist ein standardisiertes Instrument zur systematischen Erfassung und Kontrolle aller Baukosten. Er hilft, die Kosten transparent darzustellen und eine präzise Budgetierung zu ermöglichen.

Aufbau des BKP:
Der BKP gliedert sich in verschiedene Hauptgruppen und Untergruppen, die sämtliche Baukosten abdecken:
Hauptgruppen 0-9: Diese decken alle Bereiche des Bauprojekts ab, von den Grundstückskosten (Hauptgruppe 0) bis zu den Bau- und Nebenkosten (Hauptgruppen 1-9).
Untergruppen: Jede Hauptgruppe ist weiter in Untergruppen unterteilt, die spezifische Kostenkategorien abbilden. Zum Beispiel umfasst die Hauptgruppe 2 (Gebäudekosten) Untergruppen wie Rohbau (22), Ausbau (23), Haustechnik (24) usw.

Vorteile des BKP:
– Transparenz: Der BKP schafft eine klare Übersicht über alle anfallenden Kosten, was die Kontrolle und Nachverfolgung erleichtert.
– Vergleichbarkeit: Durch die Standardisierung können Angebote und Leistungen verschiedener Anbieter besser verglichen werden.
– Kostenkontrolle: Eine präzise Budgetierung und laufende Kostenkontrolle sind möglich, wodurch Budgetüberschreitungen frühzeitig erkannt und vermieden werden können.

6. Abnahme und Einzug
Endabnahme:
Nach Fertigstellung des Baus erfolgt die Endabnahme durch den Architekten und den Bauherrn. Eventuelle Mängel werden in einem Abnahmeprotokoll festgehalten und müssen vor dem Einzug behoben werden.

Einzug:
Nach erfolgreicher Abnahme kann der Bauherr das Gebäude beziehen. Es ist ratsam, auch nach dem Einzug eine gewisse Überwachungszeit einzuplanen, um eventuell auftretende Baumängel schnell beheben zu lassen. Vorallem die 2 Jährige Garantiefrist ist im Auge zu behalten.

7. Nachhaltigkeit und Energieeffizienz
Energieeffizienz: 
Die Schweiz legt großen Wert auf nachhaltiges Bauen und Energieeffizienz. Es gibt zahlreiche Förderprogramme für energieeffizientes Bauen, die bei der Planung berücksichtigt werden sollten. Eine gute Dämmung, moderne Heizsysteme und erneuerbare Energien tragen zur Nachhaltigkeit des Gebäudes bei.

Nachhaltigkeitszertifikate:
Gebäude können mit Zertifikaten wie Minergie ausgezeichnet werden, die besonders energieeffiziente und nachhaltige Bauweisen anerkennen.

Fazit
Bauen in der Schweiz erfordert eine gründliche Planung, die Einhaltung zahlreicher Vorschriften und eine gute Zusammenarbeit mit Architekten und Fachplanern. Der Prozess von der Planung bis zum Einzug ist gut strukturiert, aber auch komplex. Mit der richtigen Vorbereitung und kompetenter Unterstützung kann jedoch jedes Bauvorhaben erfolgreich und nachhaltig umgesetzt werden.